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Referenzdatenbank

Name:

Lötschberg Basistunnel
Bahnstromversorgung und Fahrleitung

Auftraggeber:

BLS AlpTransit AG
Aarestrasse 38b
3601 Thun
SCHWEIZ
Kontakt: Hr. Hans Faust
Tel: +41 33 225 79 74

Bauzeit:

10/2002 - 6/2007

Adresse:

Frutigen - Raron

Land:

Schweiz

Kategorie:

Bahntechnik > Ausrüstung > Bahnstromversorgung

Beschreibung:

Rhomberg Bahntechnik führte in Arbeitsgemeinschaft (ARGE Bahntechnik Lötschberg) als Totalunternehmer (TU) den Auftrag für die bahntechnische Ausrüstung des Lötschberg Basistunnels von der BLS – AlpTransit, Bern aus.
Die Lötschberg-Basislinie führt von Frutigen nach Raron. Sie umfasst im Norden den Anschluss an die BLS-Linie und die Umfahrung Frutigen mit dem Tunnel Engstligen, den Lötschberg-Basistunnel sowie im Süden die Rhonequerung und den Anschluss an die SBB-Linie.
Das Kernstück bildet der 34,6 km lange Lötschberg-Basistunnel, der aus zwei einspurigen Tunnelröhren besteht, die einen Abstand von rund 40 m aufweisen und alle 333 m über Querstollen verbunden sind. Der Tunnel wurde in nur 42 Monaten ab dem Beginn der Vormontagen in Bern bis zur Fertigstellung ausgebaut.

Projektleistungen:
Planung, Einbau und Inbetriebnahme der Bahnstromversorgung und 60 km Fahrleitung vom Typ Re 250 LBL-T , Höhe: 5,3 m auf 5,85 m anhebbar.

132-kV-Anlagen
In der ersten Betriebsetappe wird auf der 132-kV-Ebene eine Verbindung 1x100 MVA zwischen der BKW Umrichteranlage in Wimmis (Leitung bereits bestehend bis Mitholz) und dem SBB Unterwerk in Gampel-Steg realisiert. Als Ersatz für die ursprünglich vorgesehene Freileitung über die Gemmi wurde ein Hochspannungskabel durch den Basistunnel verlegt, mit einem zusätzlichen neuem Unterwerk (UW) 132/15 KV im Fensterstollen Mitholz (UW Mitholz).
Vom UW-Mitholz wird das 132-kV-Hochspannungskabel durch den Fensterstollen und die Oströhre des Basistunnels bis zur Verzweigung Lötschen, weiter bis zum Portal Niedergesteln und von dort zum Unterwerk Gampel-Steg SBB geführt.
Es wird ein Kunststoffkabel mit einem Querschnitt von 630 mm2 verwendet. Der Kabelschirm wird einseitig geerdet, um zu vermeiden, dass Bahnströme über den Kabelschirm fliessen. Die maximale Verlegelänge beträgt 2000 Meter; alle 2000 Meter ist eine Muffenkammer notwendig.


15-kV-Anlagen
Die 15-kV-Anlagen bestehen aus Schaltposten und der Fahrdrahteinspeisung.
Die Strecke zwischen Frutigen (ca. km 11) und Raron (km 50) wird über zwei Einspeisungen mit Bahnstrom von 15 kV/16.7 Hz versorgt. Im Normalbetrieb ist das 15kV-Netz der Basislinie beim Anschluss Frutigen und beim Anschluss an die SBB Strecke in Raron mit den 15kV-Netzen der BLS resp. der SBB verbunden.

Die Einspeisungen erfolgen über 132/15 kV-Transformatoren bei den Unterwerken:

* Mitholz (Einspeisung Mitte)   33 MVA
* Gampel-Steg SBB (Einspeisung Lötschen) 40 MVA

Die 15 kV-Schaltanlage „Einspeisung Mitte“ in der Betriebszentrale Mitholz ist eine Kombination aus Einspeisung und Schaltposten. Aus Redundanzgründen sind die Kabelverbindungen zwischen dem Unterwerk und der Zentrale auf 2000 A ausgelegt. Parallel zu den Vakuumleistungsschaltern der Einspeisung sind Prüfwiderstände mit einem Lastschalter zu- und abschaltbar. Die Diensthaltestelle beim Fusspunkt Mitholz kann über einen Lastschalter spannungsfrei geschaltet werden.
Die zweite Einspeisung erfolgt vom Unterwerk Gampel-Steg über ein Kabel durch den Fensterstollen Steg zu den Schaltanlagen in den Betriebszentralen Lötschen Ost und West. Die Schaltanlagen in Lötschen sind ähnlich ausgerüstet wie die Einspeisung Mitte.
Im Relaisraum Ost km 30 wurden Leistungs- und Lasttrennschalter zur Unterteilung von Fahrleitungsabschnitten mit zwischen liegender Fahrleitungsschutztrecke eingebaut.
Der Spurwechsel Ferden ist je Betriebszentrale mit Leistungs- und Lastschalteranlagen ausgerüstet.
Die stromführenden Anlageteile aller Schaltanlagen sind für Nenn-Kurzschlussströme von 50 kA ausgelegt. Die Schaltanlagen sind luftisoliert und metallgeschottet. Alle Schaltanlagen haben Schutzeinrichtungen gegen thermische und dynamische Überlastungen der Fahrleitung.
Die Anschlussstrecken in Frutigen und Raron sind je mit Signalisationseinrichtungen für die fakultativen Fahrleitungsschutzstrecken ausgerüstet.
Jeder Schaltposten kann vor Ort manuell und in der zugehörenden Betriebszentrale elektrisch bedient werden.
Sämtliche Schaltzustände, Messwerte und Alarme werden in die Betriebszentralen, in die Vorortleitstellen und in die übergeordnete Bahnstromleitstelle FSZ BLS Spiez übertragen. Die Bedienung erfolgt primär aus der übergeordneten Bahnstromleitstelle.

Fahrleitung
Die Fahrleitung (Oberleitung) muss sowohl schnelle Reise- als auch schwere Güterzüge ausreichend mit Strom (Stromart 1 AC 15 kV 16,7 Hz) versorgen können. Sie wird dabei Dauerbetriebsströmen von 2000 A (Kettenwerk und Verstärkungsleitung) und Kurzschlussströmen von bis zu 53 kA ausgesetzt.
Die geometrische Auslegung des Oberleitungskettenwerkes basiert auf dem Einsatz der unterschiedlichen Stromabnehmerprofile. Die Strecke ist Bestandteil des europäischen Hochgeschwindigkeitsnetzes und muss daher auch entsprechend ihrer Eingruppierung als Hochgeschwindigkeitsstrecke mit Stromabnehmern entsprechend TSI-Profils (Europawippe 1.600 mm) EBV S3 befahrbar sein.

Details:
Fahrleitungssystem Re 250 LBL-T II auf der Basis des bei der DB entwickelten und erfolgreich betriebenen Oberleitung Re 250. Kettenfahrleitung ohne Y-Beilseil für das Lichtraumprofil EBV 4, mit späterer Umbaumöglichkeit für das Schuttle-Profil.
Das Kettenwerk besteht aus einem Fahrdraht CuAg AC-120 und einem Tragseil 70 Bz II, die beide mit je 15 KN Zugkraft gespannt werden.
Tragseil und Fahrdraht werden über getrennte Einrichtungen nachgespannt und haben eine max. Nachspannlänge von 1400 m.


Planungsparameter im Tunnel

* Max. Regelgeschwindigkeit 250 km/h, auch mit Doppeltraktion (Mindestabstand Stromabnehmer 185 m)
* Sicherheitsreserve 25 km/h
* Min. Gleisbogenradius 4000 m
* Max. Überhöhung 62 mm
* Normalprofil EBV 4 mit Längsspannweiten ≤ 51 m
* Max. Nachspannlänge 1400 m (Tunnelbereich) und 1200 m (Portalbereich)
* Sektorlänge Fahrleitung 6 km und Abstand Feedereinspeisung alle 1000 m
* Elektrischer Mindestabstand 250 mm
* Umgebungstemperatur im Tunnel 35°C

Inbetriebnahme
Nach der Montage erfolgte unmittelbar die IBN der Ausrüstung. In dieser Phase wurde Funktionsfähigkeit und die Betriebsbereitschaft bis zum vertraglich festegelegten Termin überprüft. Aufgrund der gestaffelten Rohbauübergaben und der sich daraus ergebenden Ausbauetappen, wurde der Tunnel in sechs Abschnitten in Betrieb genommen.
Vorgängig mussten für diese Einschaltungen Sicherheitsnachweise zu den baulos- und fachbereichsübergreifenden Themen (Erdung, Sicherheit gegen elektrischen Schlag und Rückstromführung) beim BAV (Bundesamt für Verkehr) eingereicht und bewilligt werden.